Pressemitteilung „Wusstet ihr das denn nicht vorher?“

Stellungnahme von KIDS Hamburg e.V. zu einem Bluttest als mögliche Kassenleistung in der gesetzlichen Schwangerenvorsorge

Anfang April wird im Bundestag diskutiert, ob ein Bluttest auf genetische Besonderheiten zukünftig als Regelleistung für alle Schwangeren von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird. Der Test weist mit großer Wahrscheinlichkeit nach, ob eine Trisomie 21 (Down-Syndrom) vorliegt.

„Mir war vor dem Test nicht klar, dass ich mich mit dem Ergebnis für oder gegen das Kind entscheiden muss.“ Mit diesen oder ähnlichen Worten melden sich immer wieder werdende Mütter in der Beratung von KIDS Hamburg e.V., wenn das Ergebnis vorgeburtlicher Diagnostik Auffälligkeiten zeigt.

Der Bluttest erfasst nur eine geringe Zahl möglicher Behinderungen, denn 96% aller Behinderungen entstehen erst bei oder nach der Geburt. Die vermeintliche Sicherheit, dass „alles in Ordnung“ ist, gibt der Bluttest also nicht. Ein positives Testergebnis stellt die werdenden Eltern vor die
Entscheidung, ob sie dieses Kind bekommen oder die Schwangerschaft abbrechen wollen. Eine Zulassung als reguläre Leistung in der Schwangerenvorsorge diskriminiert so Menschen mit Trisomie 21, denn sie signalisiert: „Dich müsste es heute nicht mehr geben!“. Indirekt übt eine solche reguläre Kassenleistung Druck auf die Schwangeren und ihre Familien aus, die sich in einer leistungsorientierten Gesellschaft für oder gegen ein Kind außerhalb „der Norm“ entscheiden müssen.

In einer Stellungnahme zum Bewertungsverfahren des G-BA fordert KIDS Hamburg e.V. ein Recht auf Nicht-Wissen! Es muss die freie Entscheidung jeder Schwangeren bleiben, ob und wie viele Informationen sie über ihr ungeborenes Kind erhalten möchte. KIDS Hamburg e.V. fordert eine
entsprechende Beratung und eine gesellschaftliche Debatte über die Entwicklung der Pränataldiagnostik, um einer Selektion von Leben aufgrund „unerwünschter Eigenschaften“ eines Embryos weiterhin entgegenzuwirken. Artikel 8 der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet die Bundesrepublik zu geeigneten Maßnahmen der Bewusstseinsbildung. Die Bundesregierung muss demnach „sofortige, wirksame und geeignete Maßnahmen ergreifen, um […] eine positive Wahrnehmung von Menschen mit Behinderungen und ein größeres gesellschaftliches Bewusstsein ihnen gegenüber zu fördern.“ KIDS Hamburg e.V. fordert für das Bewertungsverfahren des G-BA ein Moratorium bis zu einer Stellungnahme der Bundesregierung.

Ansprechpartner:
Regine Sahling
Telefon 040 38 61 67 83, montags bis mittwochs 11 bis 16 Uhr
KIDS Hamburg e.V. Kompetenz- und Infozentrum Down-Syndrom,
Heinrich-Hertz-Straße 72, 22085 Hamburg, Geschäftsführerin: Regine Sahling. Wir sind von montags bis donnerstags von 9.00 Uhr bis
14.00 Uhr für Sie unter Tel. 040 – 38 61 67 80 erreichbar.
E Mail: info@kidshamburg.de

Aktuelle Informationen auch unter #schwerinordnung.
Der Hamburger Song „Irgendwie normal“ zum Welt-Down-Syndrom Tag am 21. März ist hier zu finden: https://youtu.be/7kWzGXriMEs